"Gold Medal oder No Medal"

Shownotes

Im Laufe seiner Tätigkeit erkannte er, dass im Sport meist Herz und Muskulatur im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Sein besonderes Interesse galt jedoch der Atmung. Motiviert wird er dabei auch von der Notwendigkeit, Atemprobleme im Sport frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen.

Transkript anzeigen

00:00:05: Servus und herzlich willkommen beim Spira-Podcast über die Dimensionen der Atmung.

00:00:11: Mein Name ist Alexander Jonas, für diese Folge der Podcastreihe besuchte ich dem Wissenschaftler Eric Haber an seinen Arbeitsplatz in Salzburg Rief.

00:00:22: Dort forscht Eric über die Atmungen im Sport aus den verschiedenen Blickwinkeln – wissenschaftliche Forschung, angewandte Technologie, Training & Therapie.

00:00:33: Dabei führt er das Wissen aus der Pulmologie, der Atemforschung und Atemarbeit auf verständliche und umsetzbare Weise zusammen.

00:00:41: Und liefert mit seiner Arbeit jede Menge interessanter und spannender Erkenntnisse!

00:01:01: Wir sind heute zu Gast in Salzburg im Landessportzentrum Universitätssportszentrum im Olympia-Stützpunkt Salzburg-Rief – und wir sind so Gast bei Eric Hauber.

00:01:15: Danke, dass wir heute hier sein dürfen!

00:01:16: Freut mich.

00:01:17: Wir uns auch!

00:01:19: Erik Haber ist Sportwissenschaftler und als Erster würde mich interessieren, wie du den Weg von Amerika ... Du warst Student in Michigan?

00:01:32: Welchen Weg es genommen hat, dass du jetzt seit sieben Jahren bereits hier in Salzburg bist?

00:01:39: Ja so... Wie so oft erkennt man die Zusammenhänge eigentlich erst im Rückblick.

00:01:46: Ich war selbst Sportler.

00:01:48: Ich bin immer gelaufen und Rad gefahren, allerdings hauptsächlich in meiner Freizeit.

00:01:53: Einige Jahre lang war ich auch Skirennläufer und bin während meiner Zeit an der Universität alpine Ski-Rennen auf Wettkampfniveau gefahren.

00:02:02: In meinem Bachelorstudium habe ich dann das studiert was man in den USA Athletic Training nennt.

00:02:09: Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Sport Physiotherapie und Sportmedizin.

00:02:14: Ich hatte das große Glück, drei Jahre lang mit vielen Spitzensportlerinnen und Spitzentsportlern einer Universität arbeiten zu können.

00:02:22: Insgesamt rund dreitausend Stunden.

00:02:25: Dabei beschäftigte ich mich intensiv mit orthopädischen Verletzungen, Rehabilitationen und Anatomie.

00:02:32: Das war eine sehr gute Grundlage für das was ich heute mache.

00:02:36: Anschließend arbeitete ich ungefähr fünf Jahre lang im Ski-Rennsport, hauptsächlich in der sportmedizinischen Betreuung sowie im Kraft und Konditionstraining.

00:02:46: Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass ich mich weiterbilden musste wenn ich im Sport wirklich etwas bewirken wollte.

00:02:53: Deshalb absolvierte ich schließlich in Neuseeland ein Masterstudium das sich vor allem mit Sporttechnologie und Datenanalyse beschäftigte.

00:03:03: Dort lernte ich auch meinen heutigen Vorgesetzten kennen.

00:03:06: Er hielt einen Vortrag auf einer Konferenz und brachte mich schließlich dazu, hier in Salzburg ein Doktorat zu beginnen.

00:03:14: Meine Promotion habe ich vor ungefähr drei Jahren abgeschlossen.

00:03:18: Sie war Teil eines öffentlich privaten Forschungsprojekts In Zusammenarbeit mit Adidas, Atomic & Red Bull.

00:03:26: Wir beschäftigten uns hauptsächlich mit tragbaren Sensoren und versuchten, das subjektive Erleben körperlicher Belastung besser zu verstehen.

00:03:36: Gemeinsam mit einigen meiner Kolleginnen, Kollegen und Betreunden entstand dabei die Idee, die Atmung genauer zu untersuchen.

00:03:44: Sie ist ein einzigartiges Phänomen weil in ihr psychologische und physiologische Vorgänge sowie die Biomechanik körperliche Bewegungen zusammenkommen – insbesondere beim Laufen.

00:03:58: In den vergangenen sieben Jahren, zunächst während meiner Promotion und inzwischen als Postdoc habe ich mich deshalb hauptsächlich mit zwei Bereichen beschäftigt.

00:04:08: Den ersten Bereich bezeichne ich als Messung-und Diagnostik.

00:04:12: Wann wird die Atmung zu einem Problem?

00:04:15: Wie lässt sich das feststellen?

00:04:17: Und wie können wir Sie messen – insbesondere mithilfe tragbarer Sensoren?

00:04:22: Der zweite Bereich ist die gezielte Veränderung der Atmungen.

00:04:27: Können wir die Atmung beeinflussen?

00:04:29: Warum sollten wir das tun, wie und zu welchem Zeitpunkt ist es sinnvoll.

00:04:35: Das ist bis heute die Richtung in der ich

00:04:37: arbeite.".

00:04:48: Du beschäftigst dich also mit Atemverhalten und Atemmustern.

00:04:52: Kannst du uns den Unterschied

00:04:53: erklären?".

00:05:01: Ein eigenartiges Problem in unserem Forschungsfeld ist, dass Begriffe wie Respiration-, Ventilation- und Atmung häufig miteinander vermischt werden.

00:05:12: Für mich beschreit Resperation ganz konkret den Gasaustausch.

00:05:16: Dabei geht es um Sauerstoff und CO² – entweder auf der Ebene der Lunge oder der Zellen.

00:05:23: Ventilation bezeichnet hingegen lediglich die Bewegung der Luft in die Lunge hinein und wieder aus ihr heraus.

00:05:31: Atmung ist dagegen ein Verhalten, sie wird von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst.

00:05:38: Einer dieser Fakturen ist die Respiration.

00:05:41: eine der Aufgaben der Atmungen besteht also darin einen ausreichenden Gasaustausch zu ermöglichen.

00:05:48: Sie erfüllt aber noch viele weitere Funktionen, durch die Atmung können wir sprechen – sie ermöglicht das Schlucken und koordiniert verschiedene andere typisch menschliche Verhaltensweisen.

00:06:00: Atmungen ist deshalb ein ausgesprochen interessantes und flexibles Verhalten, dass sowohl den Gasaustausch als auch viele andere Vorgänge ermögligt.

00:06:11: Weil sie auf so viele unterschiedliche Einflüsse reagiert, etwa auf Stress-, körperliche Belastung oder Emotionen können wir sehr viel aus ihr lernen.

00:06:21: Während körperlicher Belastungen besitzt die Atmung außerdem einige besondere Eigenschaften, die in Ruhe nicht unbedingt auftreten.

00:06:30: Das war gewissermaßen ein Leidgedanke meiner bisherigen Arbeit im Forschungsgebiet.

00:06:39: Lass uns beginnen mit den Atemmyten, die dir in deiner Arbeit begegnen.

00:06:47: Atmung ist inzwischen stark im Zeitgeist angekommen.

00:06:50: Es gibt zahlreiche Bücher, Podcasts und andere Formate, die sich damit beschäftigen.

00:06:56: Gleichzeitig ist mir sehr bewusst wie viele Fehlinformationen es in diesem Bereich gibt Und wie häufig die tatsächlichen Ergebnisse nicht den geweckten Erwartungen entsprechen.

00:07:07: Da ich gerne problemorientiert denke, beginne ich häufig mit einem Mythos der sich in der Wissenschaft sehr lange gehalten hat.

00:07:16: Der Vorstellung dass die Atmung im Sport eigentlich kein relevantes Problem darstellt.

00:07:22: Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Hinweise darauf das die Lunge, die Atemmuskulatur oder die Atomwege durchaus zum Problem werden können sowohl bei Spitzen und Hobbysportlern aber auch bei Jüngeren Jugendlichen und Menschen mit verschiedenen klinischen Erkrankungen.

00:07:41: Für mich ist es wichtig, diesen Mythos zu widerlegen.

00:07:45: Wenn wir über Atemtechniken, Breathwork oder darüber sprechen möchten wie wir mithilfe der Atmung die sportliche Leistungsfähigkeit oder auch das subjektive Erleben des Sports verbessern können sollten wir zunächst fragen wann und auf welche Weise wird die Atmungen überhaupt zu einem Problem?

00:08:06: Die Vorstellung, dass sie im Sport keine Rolle spielt ist ein wissenschaftlicher Mythos.

00:08:11: Der bis heute erstaunlich viel Einfluss besitzt – das ist nur ein Beispiel!

00:08:17: Ein weiterer Mythos der in den vergangenen Jahren stark in den Vordergrund gerückt ist betrifft die Nasenatmung.

00:08:24: Zur Nasen-Atmung gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen.

00:08:29: Ich erinnere mich daran, wie mir ein hochrangiger Sportwissenschaftler aus dem neuseeländischen Olympiasystem erklärte.

00:08:36: Die Nasenatmung spielt keine Rolle – man solle sie nicht verändern!

00:08:41: Die Mundatmungen sei vorzuziehen und möglicherweise sogar überlegen.

00:08:46: Grundsätzlich soll man Menschen einfach so atmen lassen, wie es für sie natürlich sei.

00:08:53: Auf der anderen Seite gibt es inzwischen viele prominente Stimmen darunter auch Wissenschaftler die die Nasenatmung als eine Art Allheilmittel darstellen.

00:09:03: Teilweise wird behauptet, sie könne sämtliche Probleme lösen oder sogar Asthma verhindern.

00:09:10: Einer der am weitesten verbreiteten Mythen ist das Nasen-Atmung automatisch dabei hilft, die Belastungsintensität richtig zu dosieren.

00:09:20: Die Vorstellung lautet So lange man durch die Nase atmet, könne man sich nicht überfordern.

00:09:27: Dadurch bleibe man automatisch in einem Bereich der leichteren Belastung oder im niedrigen Intensitätsbereich, der es ermöglicht länger oder weiter zu laufen beziehungsweise Rad zu fahren.

00:09:40: Inzwischen gibt es einige Studien die zeigen dass das nicht grundsätzlich stimmt.

00:09:46: Nasenatmung hilft nicht immer bei der Belastungssteuerung.

00:09:50: Das liegt an einer interessanten Eigenschaft zumindest nach meiner Interpretation Passt sich an.

00:09:59: Sie passt sich an körperliche Belastung

00:10:01: an,

00:10:02: wenn wir bewusst häufiger durch die Nase atmen werden wir darin besser.

00:10:07: es kommt zu plastischen strukturellen und funktionellen Veränderungen.

00:10:12: Wir lernen beispielsweise die Nasengänge besser zu erweitern indem wir die umliegende Muskulatur aktivieren.

00:10:20: Möglicherweise gewöhnen wir uns außerdem besser an Veränderungen der CO-Zweikonzentration im Blut.

00:10:28: Wenn wir Nasenatmung verwenden, um beim Laufen oder Radfahren in einem niedrigen Belastungsbereich zu bleiben verschiebt sich mit der Zeit die Intensität bis zu der wir ausschließlich durch die Nase atmen können immer weiter nach oben.

00:10:44: Deshalb eignet sich die Nasen Atmung nicht unbedingt dauerhaft als Instrument zur Belastungsteuerung.

00:10:51: dass wir darin besser werden, ist gleichzeitig ein Vorteil und ein Nachteil.

00:10:57: Die Nasenatmung besitzt jedoch mehrere andere Vorteile die ich durchaus unterstütze.

00:11:04: Ich fasse sie häufig unter dem Begriff Klimatisierung der Atemluft zusammen.

00:11:10: Die Nase filtert Schadstoffe Bakterien und Viren aus der Luft.

00:11:15: Sie befeuchtet die Luft und reguliert ihre Temperatur.

00:11:19: Diese Funktionen sind besonders in kalten, trockenen oder stark verschmutzten Umgebungen sehr wertvoll.

00:11:28: Ich sehe daher durchaus einen Nutzen der Nasenatmung.

00:11:32: Dieser Nutzen entspricht allerdings nicht unbedingt den zahlreichen Mythen und Fehlinformationen die sich um sie gebildet haben.

00:11:39: Das ist eines der großen Beispiele.

00:11:42: Die Nasenatmung und auch die anderen erwähnten Themen sollten auf jeden Fall weiter erforscht werden.

00:11:54: Wie in den meisten Fällen liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte?

00:12:00: Genau, wir sollten grundsätzlich vorsichtig sein wenn Menschen im Zusammenhang mit Atmung übertriebene Versprechungen machen dass eine bestimmte Methode alle Probleme löse oder die maximale Sauerstoffaufnahme um dreißig Prozent steigere.

00:12:17: Das ist nicht realistisch, es klingt hervorragend aber häufig steckt vor allem Marketing dahinter.

00:12:24: auf der anderen Seite halte ich auch die Aussage für falsch Die Atmung spiele überhaupt keine Rolle und man solle sie einfach geschehen lassen ohne jemals zu versuchen Sie zu verändern.

00:12:35: Dafür sehen wir bei zu vielen Menschen konkrete Probleme.

00:12:40: Ein weiterer Mythos betrifft das Training der Atemmuskulatur.

00:12:44: Vielleicht haben sie bereits Geräte oder Masken gesehen, die den Luftstrom beim Ein- oder Ausatmen gezielt begrenzen?

00:12:53: Einige dieser Geräten wurden meines Wissens Ende der in der Jahr und Anfang des Jahrhunderts entwickelt.

00:13:01: Zu Beginn zeigten Sie gewisse Erfolge bei COPD.

00:13:06: In den zweitausender Jahren wurden solche Produkte jedoch teilweise damit beworben, ein Höhentraining simulieren zu können.

00:13:14: Das hat viele Menschen skeptisch gemacht.

00:13:16: Wissenschaftler wiesen zurecht darauf hin, dass diese Geräte mit Höhntraining kaum vergleichbar sind.

00:13:23: Die zugrunde liegenden Mechanismen sind unterschiedlich und auch die Ergebnisse sind andere – das stimmt!

00:13:30: Atemmuskeltraining ist kein Höhentreining.

00:13:33: Durch diese Vermischung entstand meiner Ansicht nach jedoch der Mythos, Atemmuskeltraining funktioniere grundsätzlich nicht.

00:13:41: Auch heute herrscht unter Wissenschaftlern und medizinischen Fachkräften noch eine gewisse Skepsis darüber, ob und wie es wirkt.

00:13:50: Mittlerweile verfügen wir jedoch über gute Erkenntnisse darüber, wie es funktioniert – warum ist funktioniert?

00:13:57: Und welche Ergebnisse realistisch sind!

00:14:00: Wir wissen, dass es beeinflusst wie schnell die Atemmuskulatur ermüdet.

00:14:06: Es verändert außerdem die Verteilung des Blutflusses während körperlicher Belastungen.

00:14:11: Die Effekte sind real!

00:14:13: Atem-Muskeltraining kann sowohl bei Ausdauerbelastungen als auch bei wiederholten hochintensiven Aneroben belastungen Vorteile bringen.

00:14:22: Es scheint die Leistung um ungefähr zwei bis drei Prozent verbessern zu können.

00:14:27: Für manche Menschen ist das ausgesprochen relevant.

00:14:31: Im Spitzensport können zwei oder drei Prozent den Unterschied zwischen einer Goldmedaille und keiner Medaille ausmachen.

00:14:39: Bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen kann dieser Unterschied möglicherweise darüber entscheiden, ob sie zwei Stockwerke zu Fuß bewältigen können – oder nicht?

00:14:50: Gleichzeitig erfüllt das Training aber nicht die versprechen mancher Anbieter, die von einer Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme um zwanzig Prozent sprechen.

00:15:00: Das ist unrealistisch.

00:15:02: Wieso oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen?

00:15:06: Atemmuskeltraining wirkt, aber seine Wirkung ist begrenzt.

00:15:16: Auf der einen Seite haben wir die Arte mühten und auf der anderen aber Artentechniken, die tatsächlich Gesundheit und Leistung verbessern.

00:15:23: Kannst du uns da geheimnisse verraten?

00:15:30: Zunächst einmal gibt es keine Geheimnisse.

00:15:33: Es steht bereits sehr viel Wissen zur Verfügung, Menschen die behaupten sie besäßen ein geheimes Wissen das nirgendwo sonst zu finden sei sollten wir ebenfalls mit Vorsicht betrachten.

00:15:46: Wir haben mehrere wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht.

00:15:51: einen Link dazu kann ich gerne später für die Begleitinformationen zur Verfügung stellen.

00:15:56: Darin haben wir zusammengefasst, welche Methoden funktionieren und weshalb sie funktionieren.

00:16:02: Insbesondere im Zusammenhang mit dem Laufen.

00:16:05: Die beiden wirksamsten Ansätze für die wir derzeit gute Erkenntnisse haben sind aus meiner Sicht folgende.

00:16:13: Der erste ist das Training der Atemuskulatur.

00:16:17: Dieses kann in vielen unterschiedlichen Situationen durchaus wirksam sein.

00:16:21: Der zweite Ansatz betrifft klassische Atemübungen, die in Ruhe durchgeführt werden und sich positiv auf sportliche Leistungen auswerten können.

00:16:31: Hier ist vor allem langsames rhythmisches Atmen relevant.

00:16:35: Wenn wir an die vielen unterschiedlichen Breathwork-Methoden denken, die heute von verschiedensten Personen angeboten werden gibt es meiner Ansicht nach nur eine Methode, die wirklich umfassend wissenschaftlich belegt ist.

00:16:49: Wir verstehen, weshalb sie funktioniert und welche Wirkungen sie besitzt.

00:16:54: Langsames rhythmisch gesteuertes Atmen.

00:16:58: Diese Methode wird unter verschiedenen Bezeichnungen angeboten beispielsweise als koherentes Atmen.

00:17:05: Die technischen Begriffe wären Resonanzfrequenzatmung beim Herzratenvariabilitäts-Biofeedback.

00:17:13: Wir wissen, weshalb diese Methode funktioniert.

00:17:17: Die Atmung besitzt einen starken Einfluss auf die Herzratenvariabilität.

00:17:22: Wir kennen auch ihre Auswirkungen – sie beeinflusst exekutive kognitive Funktionen, Entscheidungsprozesse und die Fähigkeit sich zu konzentrieren.

00:17:32: Im Wesentlichen atmet man dabei mit ungefähr fünf bis sechs Atemzügen pro Minute.

00:17:38: Wenn wir diese Methode mit einem Herzfrequenzsensor oder einem PPG-Sensor kombinieren, können wir die Geschwindigkeit individuell anpassen und dadurch den Nutzen maximieren.

00:17:50: Das kann ausgesprochen wirksam sein!

00:17:53: Bereits fünf Minuten täglich können helfen – idealerweise übt man bis zu etwa fünfzehn Minuten pro Tag und führt das Training über mehrere Wochen durch.

00:18:03: Dadurch können sich die genannten kognitiven Funktionen, aber auch die Regeneration verbessern.

00:18:09: Sowohl langsames Atmen als auch Atemmuskeltraining werden in Ruhe durchgeführt und können sehr hilfreich sein.

00:18:17: Darüber hinaus haben wir einige Techniken untersucht, die während des Sports eingesetzt werden könnten.

00:18:24: Wahrscheinlich ist es sinnvoll, während körperlicher Belastung etwas langsamer und tiefer zu atmen – also mit der Zwerchfeldatmung!

00:18:33: Diese Art zu Atmen besitzt für sich genommen einen Wert.

00:18:37: Ich bin allerdings nicht sicher, ob wir sie unbedingt als konkrete Technik betrachten sollten.

00:18:43: Im Grunde handelt es sich einfach um eine günstige Reform der Atmung.

00:18:47: Möglicherweise sind auch bestimmte Ausartem-Techniken sinnvoll.

00:18:52: Ich spreche dabei gerne von einer aktiven Ausatmung.

00:18:56: Ein weiterer Ansatz ist die lokomotorisch respiratorische Kopplung also die Synchronisation der Atmung mit der Bewegung.

00:19:05: Auch Atemanhalten bzw.

00:19:08: Abnur-Training könnte als eigenständige Technik eine gewisse Rolle spielen.

00:19:13: Im Schwimmen und Tauchen sind solche Methoden längst bekannt, inzwischen finden sie langsam auch Eingang in andere Sportarten wie Radfahren, Laufen oder Kampfsport – alle diese Methoden sind interessant!

00:19:27: Zu jeder existieren eigene Studien über die unterschiedlichen physiologischen Mechanismen.

00:19:33: In einer umfassenden Betrachtung von Atemtechniken und Atemstrategien im Sport haben sie meiner Ansicht nach alle einen möglichen Platz.

00:19:43: Unsere grundsätzliche Schlussfolgerung lautet deshalb, ja wir können aktiv etwas tun, um die Atmung während des Sports zu

00:19:51: verbessern.".

00:20:02: Es gibt einige allgemein gültige Empfehlungen für Atmung, egal ob man nun Hobby-, Amateur- oder Profisportler ist.

00:20:10: Aber diese Empfehmungen gelten nur bis zu einem gewissen Punkt.

00:20:19: Dazu lässt sich sehr viel sagen!

00:20:22: Wenn wir zunächst zum Thema der Atemprobleme zurückkehren, ist eine Erkenntnis für viele Menschen besonders überraschend.

00:20:29: Spitzensportlerinnen und Spitzendsportler leiden typischerweise häufiger unter Atemproblemen als weniger leistungsorientierte oder reine Freizeitsportler.

00:20:41: Menschen wie Sie und ich, die einfach eine Runde laufen gehen sind seltener von Atem-Problemen betroffen als

00:20:47: Spitzenschportler.".

00:20:49: Man könnte das Beinahe mit einer berufsbedingten Verletzung vergleichen.

00:20:54: Allein die enorme Menge an intensiver Atmung, der sie täglich ausgesetzt sind kann insbesondere in den Atemwegen Probleme verursachen.

00:21:03: In einigen Sportarten spielen außerdem komplexer Ausrüstungsgegenstände oder ungewöhnliche Körperhaltungen eine Rolle.

00:21:11: Bei Wintersportarten zum Beispiel kann kalte trockene Luft erhebliche Probleme verurachen insbesondere wenn große Mengen davon bei hoher Belastung eingeatmet werden.

00:21:22: Auch im Schwimmsport gibt es besondere Belastungen.

00:21:26: Chlor und die Luft in Hallenbädern können zu Problemen führen, wenn Sportlerinnen und Sportler ihnen dauerhaft ausgesetzt sind.

00:21:34: Das zeigt sich unter anderem in der erhöhten Häufigkeit einer belastungsinduzierten Bronchokonstriktion beziehungsweise des sogenannten Belastungsastmaßes.

00:21:45: In diesen Sportarten tritt dieses Problem deutlich häufiger auf.

00:21:49: Damit wird bereits klar, dass die Atmung dieser Athletinnen und Athleten anderen Bedingungen ausgesetzt ist.

00:21:55: Wir müssen daher nicht nur darüber nachdenken welche Probleme auftreten sondern auch welche Lösungen für die jeweilige Person- und Sportart geeignet sind.

00:22:06: Die kalte und trockene Luft betrifft beispielsweise Langläuferinnen und Langläucher besonders stark.

00:22:13: Für Menschen, die nur gelegentlich oder überhaupt nicht in der Kälte trainieren ist dieses Problem hingegen weniger relevant.

00:22:20: Für betroffene Sportlerinnen und Sportler könnte beispielsweise eine Wärme- und Feuchtigkeitsaustauschmaske hilfreich sein.

00:22:28: Auch eine solche Maske lässt sich als Atemintervention betrachten.

00:22:32: Diese speziell entwickelten Masken erzeugen keinen relevanten Atemwiderstand.

00:22:41: Sie halten jedoch einen Teil der Feuchtigkeit in den Atemwegen und schützen sie bei langen Trainingseinheiten, in kalter trockener Luft davor zu stark auszutrocknen.

00:22:52: Das könnte für viele Menschen sehr interessant sein!

00:22:56: Für Spitzensportlerinnen und Spitzentsportler könnte außerdem das bereits erwähnte Abnö-Training relevant sein.

00:23:03: Taucher führen solche Übungen seit langem durch – dazu gehören statische oder sogenannte nasse Abnöhne.

00:23:10: Man sitzt beispielsweise ruhig oder hält das Gesicht ins Wasser und hält anschließend so lange wie möglich die Luft an.

00:23:18: Im Schwimmsport ist auch das Hypo Ventilations-Training schon lange bekannt, dabei schwimmt man beispielsweise eine oder zwei Bahnen ohne zu atmen und kehrt danach wieder zur normalen Atmung zurück.

00:23:31: Das erzeugt einen sehr starken Trainingsreiz.

00:23:35: Inzwischen verstehen wir besser warum und wie dieser Reiz wirkt und mit welchen Ergebnissen er verbunden ist.

00:23:42: Für Spitzensportler kann das relevant sein, weil die Fähigkeit zum Luftanhalten im Wasser unmittelbar benötigt wird.

00:23:49: Wir können diesen Reiz aber auch in Sportarten an Land nutzen – etwa beim Laufen, Radfahren oder Judo.

00:23:57: Dazu gibt es bereits einige Studien.

00:24:00: Wenn mich allerdings ein Freizeitsportler fragt ob er Atem-Anhalte oder Abnö Training machen sollte antworte ich meistens mit Nein.

00:24:10: Der Grund ist, dass es zumindest vereinzelte Hinweise auf mögliche langfristige Nachteile gibt.

00:24:16: Ich habe mit erfahrenen Forschern gesprochen die mit Freitauchern und Schwimmern arbeiten.

00:24:22: Nach vielen Monaten oder Jahren intensiven Abnö-Trainings scheint sich bei manchen Menschen möglicherweise das normale Atemmuster in Ruhe zu verändern.

00:24:32: In diesen Gruppen tritt beispielsweise Schlafabnö häufiger auf.

00:24:36: Auch andere Probleme wurden beobachtet.

00:24:39: Möglicherweise beeinflussen wir mit solch extremen Atemtechniken die automatische Steuerung der Atmung.

00:24:46: Das passt zu einem allgemeinen Grundsatz, was Spitzenspartler tun ist nicht automatisch das woran sich alle anderen orientieren sollten.

00:24:55: Was für maximale Leistungen optimal ist kann teilweise sogar das Gegenteil dessen sein, was für Gesundheit und Wohlbefinden optimal wäre.

00:25:06: Die enorme Menge an intensiver Atmung, die für sportliche Höchstleistungen notwendig ist kann den Atemwegen tatsächlich schaden.

00:25:15: Eine Person, die Sport für Gesundheit, Wohlbefinden und ein langes Leben betreibt benötigt deshalb andere Maßnahmen als jemand dessen Ziel eine Goldmedaille

00:25:30: ist.".

00:25:34: Man kann sagen, dass Atemprobleme bei Berufssportlern oft nicht das Resultat falscher Atmen sind sondern eigentlich eine Art Berufskrankheit.

00:25:49: Genau!

00:25:50: Insbesondere bei diesen Atemwegs-Problemen.

00:25:53: aber manchmal stehen solche Probleme jedoch auch mit ungünstigen Atemmustern in Verbindung.

00:25:58: Ich bin mit dem Begriff falsche Atmung, allerdings vorsichtig.

00:26:03: Im Grunde gibt es keine falsche atmung außer einer Atmungen die keinen ausreichenden Gasaustausch ermöglicht.

00:26:10: Bei einer Schlafabnö könnte man beispielsweise tatsächlich von einer problematischen oder falschen Atmungsbrechen da sie zu ernsthaften gesundheitlichen Folgen bis hin zur Herz-Kreislauferkrankungen beitragen kann.

00:26:25: Es gibt aber sehr wohl günstigere und weniger günstige Formen der Atmung, damit beschäftigt sich das Forschungsfeld der dysfunktionalen Atmungen bzw.

00:26:36: der Atemmusterstörungen.

00:26:38: Eine Atemmussterstörung ist keine eigenständige Krankheit.

00:26:46: Es handelt sich vielmehr um eine Sammlung von Symptomen, die gemeinsam mit anderen Atemproblemen auftreten.

00:26:52: Diese widerspiegeln oder sogar verschlimmern können.

00:26:56: Belastungsastma beziehungsweise eine Bronchokonstriktion kann beispielsweise gemeinsam mit einer thoraco-abdominalen Asynchronität auftreten.

00:27:07: Damit ist gemeint dass sich verschiedene Bereiche des Brustkorbs und des Bauches beim Atmen nicht richtig aufeinander abgestimmt bewegen.

00:27:16: Idealerweise bewegen sich die unterschiedlichen Atemkompatimente der Brustwand koordiniert miteinander.

00:27:23: Bei frühgeborenen, Menschen mit Asthma aber teilweise auch bei vollkommen fitten Spitzensportlern beobachten wir jedoch eine Asynchronität – das kann ein Hinweis auf ein Problem sein.

00:27:36: Manchmal tritt sie in Verbindung mit Stress oder Panik während eines Asthma-Anfalls auf.

00:27:42: Sie kann solchen Problemen aber auch vorausgehen oder zu ihnen beitragen.

00:27:47: Wenn sich die verschiedenen Bereiche nicht koordiniert bewegen, muss die Arte Muskulatur härter arbeiten um denselben Luftstrom zu erzeugen.

00:27:56: Wir sollten das deshalb als eine Art Warnsignal betrachten.

00:28:00: Etwas an der Atmung ist nicht optimal.

00:28:03: sie ist vielleicht nicht vollkommen falsch Aber auch nicht wirklich richtig.

00:28:08: Hier existiert ein großer Graubereich, dessen sich Wissenschaftler medizinische Fachkräfte und Praktiker bewusst sein sollten.

00:28:17: Solche Auffälligkeiten können wichtige Hinweise auf Atemprobleme

00:28:21: liefern.".

00:28:22: Sie hörten den ersten Teil eines Gesprächs mit Sport- und Artenwissenschaftler Eric Haber, aufgenommen im österreichischen Olympiastützpunkt Salzburg Rief.

00:28:41: Jetzt geht es weiter mit Teil zwei, über die Atmung und ihre Funktion im regenerativen Bereich.

00:28:48: Und über Eric Harbers aktuelle Forschungsthemen.

00:29:07: Über die Atmen während der Regeneration wissen wir derzeit noch relativ wenig.

00:29:12: Wie bereits erwähnt gibt es Hinweise darauf das langsames rhythmisches Atmen oder andere in ruhe durchgeführter Atemtechniken, die Regeneration von Sportlerinnen und Sportlern unterstützen können.

00:29:26: Es existieren also durchaus Studien zu bestimmten Interventionen.

00:29:31: Wenn ich das Thema jedoch wieder problemorientiert betrachte, sehen wir bei Spitzensportlern möglicherweise häufig eine Dysregulation des autonomen Nervensystems.

00:29:42: Das enorme Trainingsvolumen kann akute oder chronische Energiedefizite und Schlafstörungen verursachen.

00:29:49: Kommen zusätzliche Umweltbelastungen hinzu, etwa Sauerstoffmangel bei Wettkämpfen in großer Höhe entstehen weitere akute-und chronische Stressfaktoren.

00:30:01: Diese können zu Leistungsabfällen kürzeren sportlichen Karrieren.

00:30:10: Leider wissen wir momentan kaum, wie sich die Atmung während der Regeneration konkret verhält.

00:30:16: Ich kenne fast keine Studien, die einfach untersuchen, wie das Arte-Muster einer Person in den ersten ein oder zwei Stunden nach einem intensiven Training oder Wettkampf aussieht.

00:30:28: Darüber ist nur sehr wenig

00:30:30: bekannt.".

00:30:31: Weil uns dieses Wissen fehlt, wissen wir auch nur begrenzt was wir konkret gegen mögliche Probleme in dieser Phase tun können.

00:30:40: Wenn ich jedoch aus praktischer Sicht darüber nachdenke, können wir zumindest einige Vermutungen anstellen.

00:30:47: Möglicherweise existiert nach einer intensiven Belastung ein wichtiges Zeitfenster indem wir Atemwegsprobleme oder einige der bereits erwähnten dysfunktionalen Atemmuster beeinflussen können.

00:31:01: Jemand, der in einer kalten und trockenen Umgebung trainiert hat, könnte beispielsweise davon profitieren nach einer intensiven Einheit einen Luftbefeuchter im Raum zu verwenden.

00:31:12: Das könnte dabei helfen die Atemwege wieder mit Feuchtigkeit zu versorgen und eine zunehmende Überempfindlichkeit der Atemwege zu verhindern.

00:31:22: Bei Personen mit Koordinationsproblemen oder einer stark brustbetonten Atmung könnten einfache Atemübungen in Ruhe helfen.

00:31:32: Möglicherweise können auch eine Physiotherapeutin, ein Physiotherapoid, einen Coach oder eine Trainerin direkt nach der Belastung unterstützend eingreifen um günstigere Atemmuster wiederherzustellen.

00:31:46: Eventuell besteht in dieser Phase auch ein besonders gutes Lernfenster indem sich gesündere Atemuister zunehmend automatisieren lassen.

00:31:56: Wir verfügen zu diesem Thema noch nicht über besonders gute wissenschaftliche Belege.

00:32:01: Ich kann jedoch begründet darüber spekulieren, welche Probleme auftreten und welche Maßnahmen hilfreich sein

00:32:08: könnten.".

00:32:15: Wenn du mit Sportlern arbeitest, arbeiteste du an Ihren Atemverhalten.

00:32:19: Und wir wissen wie schwer es generell ist, er lernt der Gewohnheiten und das Verhalten zu ändern.

00:32:25: So ist deine Arbeit auch eine gewisse Coaching-Herausforderung?

00:32:32: Ja, teilweise.

00:32:36: Ich habe dazu viele Gedanken.

00:32:39: Die Atmung ist tatsächlich ein hoch automatisierter und komplexer Prozess, der von zahlreichen unterschiedlichen Signalen- und neurologischen Schaltkreisen beeinflusst wird.

00:32:50: Dass sie auf so viele Faktoren reagiert, ist gleichzeitig ein Vorteil – und ein Nachteil.

00:32:56: Jeder bewusste Versuch die Atmungen zu verändern kann diese sehr fein abgestimmte Regulation zunächst stören!

00:33:05: Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass bereits die kurzfristige Anweisung anders zu atmen problematisch sein kann.

00:33:13: Allein die Aufmerksamkeit auf die Atmung verändert sie bereits.

00:33:17: Sobald ich das Wort Atmungen erwähne sitzen Sie vielleicht automatisch etwas aufrechter verwenden ihr Zwerchfeld stärker oder atmen etwas langsamer.

00:33:29: Wir sehen außerdem, dass eine kurzfristige bewusste Veränderung der Atmung sie zunächst ineffizienter machen kann.

00:33:37: Wenn ich Ihnen sage stärker mit dem Zwerchfell zu atmen, langsamer zu atman oder Ihre Atmungen mit der Bewegung zu synchronisieren besteht die Gefahr das Sie zunächst zu viel oder möglicherweise auch zu wenig atmen.

00:33:52: Außerdem ist es nicht immer einfach, Menschen innerhalb einer einzigen Trainingseinheit davon zu überzeugen, dass eine solche Veränderung sinnvoll ist.

00:34:02: Sie spüren das es schwierig ist die Atmung zu verändern.

00:34:06: Der Eingriff stört einen zuvor automatischen Prozess und kann ablenkend wirken.

00:34:12: Nicht jeder hat deshalb nach einer einzigem Einheit das Gefühl, Bei Sportlern und Patienten ist daher manchmal mehr Überzeugungsarbeit notwendig als bei anderen Trainings- oder Therapieformen.

00:34:28: Oft braucht es zusätzliche Erklärungen und Hintergrundinformation.

00:34:35: Das ist genau das, was ich meinte mit Coaching-Herausforderung oder Coachingproblem.

00:34:39: Die Bereitschaft einen Schritt zurück um zwei Schritte nach vorzumachen?

00:34:46: Ja!

00:34:47: Ganz genau.

00:34:49: Oder leider muss man das Problem zunächst hervorrufen bzw spürbar machen.

00:34:56: Vielen Menschen wird erst dann wirklich bewusst, dass ein Problem besteht und eine Lösung notwendig ist wenn sie die Symptome selbst erleben.

00:35:05: Dabei kann es sich um Atemnot beziehungsweise starke Kurzatmigkeit handeln oder um konkrete klinische Symptome wie Husten, auffällige Atemgeräusche oder einen Stridor.

00:35:18: Ein deutlich hörbares Geräusch beim Einatmen.

00:35:22: Wenn Menschen solche Symptomen spüren oder hören lösen sie häufig sehr starke körperliche und emotionale Reaktionen aus.

00:35:31: Dann kann es hilfreich sein zu sagen Siehst du wie unangenehm sich das angefühlt hat?

00:35:37: Jetzt zeige ich dir eine mögliche Lösung.

00:35:41: Manchmal ist das ein guter Einstieg in das Thema.

00:35:45: Was das konkrete Training betrifft, besteht eine große Herausforderung darin, dass die Atmung stark automatisiert ist und sich die Atmen während körperlicher Belastung deutlich von der Atmungen in Ruhe unterscheidet.

00:35:59: Deshalb glaube ich, dass Atemübungen in ruhe nur begrenzt auf die Atman während des Sports übertragbar sind.

00:36:08: Wir können unterschiedliche Interventionen in Ruhe durchführen.

00:36:12: Ich bin jedoch nicht überzeugt davon, dass sie automatisch verändern wie jemand während körperlicher Belastung atmet.

00:36:20: Beim Sport entstehen durch CO-II die zentrale Anstrengungswahrnehmung und zahlreiche weitere Faktoren sehr starke Signale an das Atmungssystem.

00:36:31: Deshalb ist es während körperlicher Belassung deutlich schwieriger einfach bewusst durch die Nase zu atmen als in Ruhe.

00:36:41: Ich sehe daher nur einen begrenzten, direkten Übertrag von Atemübungen in Ruhr auf die Atmung während des Sports.

00:36:48: Meine Schlussfolgerung lautet das wir stärker während der Belastung selbst arbeiten müssen wenn wir die Atmos während des sports verändern wollen.

00:36:58: dabei müssen wir allerdings langfristig denken.

00:37:01: Wir müssen überlegen, wie sich ein neues Atemmuster gewöhnen und automatisieren lässt.

00:37:06: Wir nehmen also zunächst einen unbewussten Prozess – machen ihn bewusst!

00:37:11: Und verfolgen letztlich das Ziel, ihn wieder unbewusst werden zu lassen.

00:37:16: Dafür benötigen wir meiner Ansicht nach technische Unterstützung.

00:37:20: Wir müssen Menschen eine Form von Feedback geben können, beispielsweise visuelles Feedback zu ihrer Atmung oder akustische Signale denen sie folgen können.

00:37:31: Sie sollen ihre sportliche Aktivität weiterhin ausführen können und gleichzeitig schrittweise in Richtung eines günstigeren vielleicht sogar optimalen Arte-Musters geführt werden.

00:37:44: Wie bereits erwähnt macht dieses Thema ungefähr die Hälfte meiner Arbeit aus.

00:37:49: Weltweit beschäftigen sich zahlreiche weitere Personen und Forschungsgruppen damit.

00:37:54: Es handelt sich jedoch um ein komplexes und differenziertes Thema.

00:37:58: Eine langfristige Veränderung der Atmung ist keine schnelle Lösung, wie sie sich viele Menschen im XXI Jahrhundert wünschen.

00:38:06: Das Forschungsfeld ist groß!

00:38:09: Wenn wir die Atmungen während körperlicher Belastung langfristig positiv verändern wollen wird es meiner Ansicht nach aber genau diesen Ansatz brauchen.

00:38:22: Wie wichtig ist für dich die Zusammenarbeit mit anderen Experten?

00:38:29: Ja, das ist ausgesprochen wichtig!

00:38:31: Ich arbeite mit Fachleuten aus sehr unterschiedlichen Bereichen zusammen von Sportpneumologen über sportartspezifische Coaches und Physiotherapeuten bis hin zu Sportwissenschaftlern, Datenanalysten und Technologieexperten.

00:38:48: Dafür gibt es mehrere Gründe.

00:38:50: Wenn wir wieder von einem problemorientierten Ansatz ausgehen müssen zunächst alle Personen im Betreuungsteam eines Sportlers oder Patienten die möglichen Probleme kennen.

00:39:02: Sie müssen erkennen können, dass ein Problem besteht und behandelt werden sollte.

00:39:07: Ein gutes Beispiel ist die sogenannte EILO oder ILO – the exercise-induced laryngeal obstruction.

00:39:17: Also eine belastungsinduzierte Verengung des Kehlkopfes.

00:39:21: Sie wird teilweise auch als vocal cord dysfunction also als Fehlfunktion der Stimmbänder bezeichnet.

00:39:29: Dabei handelt es sich um ein reales Problem in den oberen Atemwegen auf Höhe des Kielkopf.

00:39:34: Es unterscheidet sich deutlich vom Belastungsastmar beziehungsweise einer belastungsinduzierten Bronchokonstriktion, die in einem anderen tieferen Bereich der Atemwege auftritt.

00:39:48: EILO zeigt sich häufig durch ein auffälliges Geräusch beim Einatmen und besitzt ein anderes klinisches Erscheinungsbeet.

00:39:57: Obwohl das Problem relativ häufig ist und vermutlich fünf bis zehn Prozent der Sportlerinnen und Sportler betrifft, wissen nur ungefähr twenty-fünf Prozent der Coaches überhaupt, dass es existiert.

00:40:11: Für mich ist es tragisch, dass Betroffene Sportler häufig keine richtige Diagnose erhalten.

00:40:17: EILO kann die Leistungsfähigkeit erheblich einschränken.

00:40:22: Bei maximaler Belastung haben Betroffene das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

00:40:28: Trotzdem wird die Erkrankung oft entweder gar nicht oder falsch diagnostiziert.

00:40:33: Man sagt den Sportlern beispielsweise Sie hätten überhaupt kein Problem und sollten einfach weitermachen Oder man diagnostiziert Asthma Und verschreibt einen Inhalator der ihnen jedoch nicht hilft.

00:40:46: Die erste Verteidigungslinie besteht deshalb schlicht darin Das Problem zu kennen.

00:40:53: Ich arbeite mit Ärzten, Coaches und Trainern daran, ihnen zu vermitteln wie diese Erkrankung aussieht.

00:41:01: Wenn der Verdacht auf ILO besteht muss die Person an die richtige Fachstelle überwiesen werden.

00:41:08: Nur mit einer korrekten Diagnose können wir anschließend auch die passende Behandlung anbieten.

00:41:17: Eine wichtige Form der Zusammenarbeit besteht daher zunächst darin zu erkennen wann welches Problem vorliegt und an wen die betroffene Person weitergeleitet werden sollte.

00:41:28: Ein zweiter Punkt betrifft die verfügbaren Lösungen, und die Frage wer sie vermitteln oder begleiten kann?

00:41:36: Ich habe bereits einige meiner bevorzugten Interventionen erwähnt – langsames, rhythmisches Atmen, atemmuskeltraining.

00:41:48: Einige dieser Maßnahmen können Sportlerinnen und Sportler problemlos selbst durchführen.

00:41:54: Für langsames, rhythmisches Atmen gibt es inzwischen sehr gute Smartphone-Apps darunter auch kostenlose Angebote.

00:42:02: Einige lassen sich mit einem Herzfrequenzsensor verbinden und ermöglichen ein weitgehend selbstständiges Training.

00:42:09: Hier genügt es häufig der Athletin oder die Athleten, die notwendigen Informationen und das passende Werkzeug zu geben.

00:42:17: Anschließend kann die Person selbstständig trainieren und von den beschriebenen Wirkungen profitieren.

00:42:23: Andere Maßnahmen, beispielsweise Atemmuskeltraining, sollten zumindest zu Beginn begleitet werden.

00:42:30: Möglicherweise reichen ein oder zwei Termine von jeweils ungefähr einer Stunde aus.

00:42:36: Wir haben Hinweise darauf, dass eine fachkundige Betreuung – und insbesondere die Anleitung zur einer Zwerchfell geführten Atmung dabei helfen die Vorteile des Trainings besser auszuschöpfen.

00:42:49: Grundsätzlich kann man das Atemmuskeltraining später alleine durchführen, die ersten Einheiten sind mit professioneller Begleitung jedoch wirksamer.

00:42:58: Idealerweise übernimmt das eine auf Atmung spezialisierte Physiotherapeutin oder ein entsprechender Physiotherapeut.

00:43:06: Es könnte aber auch ein Kraft- und Konditionstrainer, einen Athletiktrainer oder eine andere Person mit guten anatomischen Kenntnissen sein die den Prozess überwachen kann.

00:43:18: Weitere relevante Bereiche sind Ermüdungs- und Belastungsmonitoring sowie Biofeedback.

00:43:25: Ein neuer Forschungsansatz besteht darin, Atemfrequenz oder Ventilation als Messwerte für Ermüdung und Trainingsbelastung zu verwenden.

00:43:35: Hier bietet sich eine enge Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern und Physiologen an.

00:43:41: Ich habe bereits mit einigen Forschenden daran gearbeitet – anhand der Atmung die Entwicklung von Ermüdungen während lang andauernder Belastungen zu beobachten.

00:43:52: In diesem Bereich kann der Austausch mit solchen Fachpersonen sehr wertvoll sein.

00:43:57: Auch im Bereich des Biofeedbacks wird die Atmung in der Sportpsychologie schon seit langer Zeit eingesetzt.

00:44:03: Ich bin sehr dankbar, dass wir hier eine formelle Zusammenarbeit und Betreuung durch das sportpsychologische Team haben.

00:44:15: Von diesem Team habe ich viel darüber gelernt, welche psychologischen Aspekte bei Ateminterventionen wichtig sind und worauf wir achten müssen.

00:44:25: Sportpsychologen verfügen in diesem Bereich über Vielerfahrung – auch in der Arbeit mit Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen oder psychologischem Störungen.

00:44:36: Wenn wir im Sport Biofeedback einsetzen wollen sollten wir daher möglicherweise auch eine Sportpsychologin oder einen Sportpsychiologen einbeziehen.

00:44:47: Wir müssen wissen, welche Vorerkrankungen oder psychischen Voraussetzungen eine Person mitbringt, welche Grundsätze berücksichtigt werden sollten und ob individuelle Anpassungen notwendig sind.

00:45:00: Atmung kann für manche Menschen eine sehr wirkungsvolle Intervention

00:45:04: sein.".

00:45:05: So entscheide ich im Allgemeinen, wann und auf welche Weise ich mit unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen arbeite.

00:45:18: Lass uns zum Ende dieses Gesprächs etwas über deine wissenschaftliche Arbeit hier in Salzburger fahren.

00:45:23: Welche Studien betreibst du derzeit?

00:45:26: Und an welchen Projekten arbeitest du aktuell?

00:45:33: Im Bereich des Monitorings laufen momentan mehrere Projekte.

00:45:38: In einem Projekt untersuchen wir die Atmung während intermittierender Belastungen, beziehungsweise beim Intervalltraining.

00:45:46: Dabei betrachten wir wie Atemparameter auf unterschiedliche Verhältnisse von Belastungs- und Erholungsphasen reagieren.

00:45:54: Das ist interessant weil die atmung auf solche veränderungen möglicherweise schneller und deutlicher reagiert als klassische Messwerte wie die Herzfrequenz.

00:46:06: In einem weiteren Projekt untersuchen wir die Atmung, mithilfe tragbarer Sensoren während eines Haltmarathons.

00:46:13: Außerdem beobachten wir sie bei einem langen Trailauf.

00:46:16: Dabei sehen wir, wie sich unterschiedliche Messwärte im Laufe der Belastungen entwickeln.

00:46:22: Gleichzeitig können wir demonstrieren welche Möglichkeiten tragbare Sensoren bieten und wie sie für Trainer-und andere Praktiker nützlicher werden könnten.

00:46:32: Darüber hinaus habe ich ein neues von der International Biathlon Union unterstütztes Projekt.

00:46:39: Dabei untersuchen wir die Atmung im Biathlon, insbesondere während des Schießens.

00:46:45: Auf der Interventionsseite beschäftige ich mich mit mehreren Ansätzen.

00:46:50: Mein derzeitiges Hauptthema ist die lokomotorisch respiratorische Kopplung also die bewusste Synchronisation der Atmung mit den Laufschritten.

00:47:00: Dafür haben wir eine App namens Run Rhythm entwickelt, dazu gibt es inzwischen mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen und derzeit führen wir eine Interventionsstudie durch.

00:47:12: Die Teilnehmenden verwenden die App ungefähr sechs Wochen lang beziehungsweise bei etwa zwölf Läufen.

00:47:18: In dieser Zeit lernen sie ihre Atmungen mit ihren Schritten zu synchronisieren.

00:47:23: Gleichzeitig führen wir sie schrittweise zu längeren Atemrhythmen.

00:47:28: Sie synchronisieren ihre Atmung also nicht nur mit der Bewegung, sondern versuchen über die sechs Wochen hinweg auch zunehmend langsamer zu atmen.

00:47:38: Wir untersuchen die Personen vor und nach dem Trainingszeitraum.

00:47:42: Bei der abschließenden Untersuchung geben wir ihnen keine Anweisungen zur Atmungen.

00:47:46: Wir sagen lediglich, atmen sie so wie sie möchten!

00:47:51: Anschließend überprüfen wir, ob sie das neue Atemmuster tatsächlich gelernt haben und wie Sie es selbstständig einsetzen.

00:47:59: Damit kommen wir wieder zu dem bereits erwähnten Konzept der Gewöhnung- und Automatisierung.

00:48:06: Funktioniert diese Methode?

00:48:08: Wie funktioniert sie – und weshalb?

00:48:11: Verwenden die Teilnehmenden die Technik, die wir ihnen beigebracht haben, später tatsächlich selbstständisch?

00:48:18: Das ist derzeit eines meiner wichtigsten wissenschaftlichen Interessengebiete.

00:48:23: Daneben laufen noch einige kleinere Interventionsprojekte, aber dieses Thema bildet momentan den Schwerpunkt meiner

00:48:30: Forschung.".

00:48:32: Sie hörten ein Gespräch mit dem Artenwissenschaftler Eric Haber aufgezeichnet für Spira, der Atem-Website.

00:48:52: Wenn Sie das Interview im Englischen Originalton hören wollen, besuchen Sie meine Website www.spirer.net.

00:49:01: www.spirermithamendegeschrieben.net.

00:49:06: Dort gibt es nicht nur weitere interessante Podcast zum Thema Atmung Es gibt auch viel Wissenswertes zu lesen und zu sehen Und vielleicht finden Sie im Spierershop auch das eine oder andere interessante Produkt.

00:49:20: Abschließend bedanke ich mich für Zuhören und freue mich, wenn Sie dieser Podcastreihe eine gute Bewertung auf der Podcastplattform Ihrer Wahl schenken!

00:49:30: Auf Wiederhören beim nächsten Spierer-Podcast über die Dimensionen der Atmung.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.